Bandscheibe & Störungspotential - vom Befund zur Behandlung

Vorsicht: chiropraktische Eingriffe bei Bandscheibenpathologie

Pathologische Bandscheibenveränderungen müssen nicht nur diagnostisch, sondern auch direkt therapeutisch berücksichtigt werden. Wer jemals Gelegenheit hatte, einer Diskotomie (Operation an der Bandscheibe) beizuwohnen und demonstriert bekam, wie das Prolapsmaterial, ob sequestriert oder nicht, sich ausgebreitet hat, wie es die Nervenwurzeln anschwellen lässt und so die Raumnot im Foramen intervertebrale bestimmt, der wird sicherlich von der Vorstellung befreit sein, dieser Situation durch chiropraktische Handgriffe rückgängig machen zu können. 

Bei Außerachtlassen dieser Erkenntnis oder bei Fehlinterpretation hinsichtlich der Ätiopathogenese bestimmter akuter Syndrome könnte es sonst geschehen, dass nach chiropraktischen Eingriffen gravierende Verschlechterungen des Krankheitszustandes etwa durch weiteres Auspressen von Bandscheibenmaterial auftreten.

Das akute Wurzelkompressionssyndrom mit schmerzreflektorischer Vollverspannung und einseitiger Haltungsverkrümmung stellt somit keine Indikation für Chirotherapie dar, besonders dann, wenn keine schmerzfreie Ausgangsposition zu finden ist. Entsprechende Überlegungen müssen speziell bei chiropraktischer Behandlung im Halswirbelsäulenbereich angestellt werden.

Es ist unmöglich, chirotherapeutisch einen akuten oder subakuten Diskusprolaps zu reponieren. Erst wenn über initiale Medikation, Infiltrationsbehandlungen und sanfte osteopathischen Maßnahmen eine Beruhigung der Symptomatik eintritt und schmerzfreie Behandlungsrichtungen wieder gefunden werden können, ist der Zeitpunkt zum Einsatz chiropraktischer Techniken gegeben.

 

Bandscheibenvorfall Osteopathie
Akuter Bandscheibenvorfall

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